Schachalphabet

 Anfänger:

Hinter dem Wort Anfänger verbergen sich zwei Bedeutungen, die beide äußerst beliebt sind. Zunächst eignet sich das Wort hervorragend, um nach der Partie seinen unausstehlichen Bezwinger damit herabzuwürdigen.

Der richtige Anfänger, der diesen Ausdruck ohne negativen Beigeschmack verdient, genießt am Klubabend hohes Ansehen. Wer einen Anfänger in seine Fänge bekommt, wird ihn nicht mehr abgeben wollen. Schließlich bietet einem der Anfänger eine glänzende Möglichkeit, sein eigenes Selbstvertrauen durch einen glatten 36:0-Sieg zu stählen.

Anfänger haben leider meist den Nachteil, dass sie sehr dünnhäutig sind und nach solchen Schlappen nie mehr im Klub auftauchen. Die wenigen, die dennoch durchhalten, verderben einem dann auch den Spaß, weil sie ehrgeizig sind und so einen bald selbst wie einen Anfänger aussehen lassen. Aber gottlob verirren sich hie und da neue Anfänger in den Klubabend ...

Bauer:

Bekanntlich die Seele des Spiels. Bauern sind besonders mit ihren Gabeln gefährlich. Dies erfuhren die adeligen Herrschaffen schon im Mittelalter bei den Bauernaufständen. Küsst einen Bauern die Muse oder genauer gesagt die achte gegnerische Reihe wird der einst so Unscheinbare in den Adelsstand erhoben. Preis der Auszeichnung ist dabei aber oft eine Geschlechtsumwandlung zur Dame. Besondere Wertschätzung im Adel genießen Zentrums-, Frei- und besonders gedeckte Freibauern.

Paradox wird das Schach, wenn der Bauer mit dem Bauern die Dame der Dame schlägt bzw. der Bauer der Dame die Dame des Bauern verspeist. Das Gleichgewicht der Kräfte wird nicht gestört, wenn der Bauer mit der Dame Bauern oder Damen tauscht ...

Depp:

Gern gebrauchte Bezeichnung für einen Gegner, der einem gerade ausführlich erläutert, warum er die Partie gewonnen hat. Dabei läßt er ganz außer acht, dass er auf Zeit gewann und ansonsten vor einem undeckbarem, einzügigem Matt stand. Andere Landstriche, andere Sitten: Der Ausdruck "Depp" klingt in anderen Regionen so ähnlich wie Idiot oder ... Wahre Gentlemen an den Schachbrettern benutzen solche Ausdrücke nie im Beisein des Kontrahenten - sie denken sich höchstens ihren Teil ...

Eröffnung:

Meist eröffnet einem der Gegner mit der Eröffnung nichts Neues. Daher sind Liebeseröffnungen allemal interessanter als Schacheröffnungen. Dennoch soll es Leute geben, die nichts besseres zu tun haben, als die Eröffnung bis zum 92. Zug auswendig zu lernen - und trotzdem verlieren, weil der Gegner die Caro-Kann-Verteidigung nur bis zum dritten Zug beherrschte.

Glücksspiel:

Schach ist ein durch und durch logisches Spiel, behaupten all jene, die soeben eine Partie gewonnen haben. Alles Mumpitz! Schach ist ein reines Glücksspiel, wie der Autor und sicher auch viele Leser schon in unzähligen Partien nachgewiesen haben. Plötzlich gewinnt halt mal eine Springergabel die Qualität oder ein undeckbares Matt befindet sich auf dem Brett - wenn alles logisch auf dem Brett zuginge, würde jedes Match doch im Remis enden. Selbst der Internationale Schachverband FIDE gesteht ein, beim Schach handelt es sich um ein Glücksspiel: Denn wie wäre es sonst zu erklären, dass die von der FIDE verliehenen Titel Großmassler (GM), Internationaler Massler (IM) und FIDE-Massler (FM) heißen. Merke: Ein Patzer ist demnach einer, der ohne Glück spielt.  

 

Andy Fleischer (Quelle Internet: Rochade Kuppenheim)